Wissenswertes

Ziegen und andere Wiederkäuer

Leider hat meine Zeit mit Ziegen im November 2018 ein Ende genommen mit dem Umzug von Trude. Ich war davor vom Pech regelrecht verfolgt worden, sodass die Aufgabe ein Muss war, aber ich vermisse das Meckervolk sehr.
Über diese Tiere besteht so viel Unwissenheit, dass ich die Infos erhalten möchte. Die meisten  - z.B. über die spezifische Verdauung - betreffen auch andere Wiederkäuer wie Schafe.
Am Ende der Seite sind Informationen über Toggenburger und Thüringer Waldziegen zu finden.

Die Ziege - eine bedrohte Art

Die meisten Menschen kennen Ziegen aus dem Zoo. Doch trifft man in den Tierparks zuhauf auf Zwergziegen, Großziegen sieht man jedoch selten. Dass Milchziegen auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen, ist kaum jemand bekannt.

Die "Kuh des kleinen Mannes", die früher in jedem 2. Hinterhof stand, wird heute nicht mehr gebraucht. Das hat einige Rassen komplett zum Aussterben gebracht, z.B. die ruhrpotttypische Bergmannsziege, ein westfälischer Landschlag. Andere Rassen werden von Liebhabern durch gezielte Zucht gerettet. Zwei davon sind die Thüringer Waldziege (kurz TWZ) und die Schweizer Toggenburger Ziege. Vor wenigen Jahren versuchte man mit einem Bestand von nur noch 200 Tieren die Rasse der TWZ zu retten. Noch immer ist diese Art bedroht, aber so langsam werden es wieder mehr. Durch die vermehrte Konzentration auf die TWZ wurde auch der Bestand der Toggenburger immer weniger, sodass heute beide Rassen bedroht sind.

Die Großziegen werden unterteilt in Fleisch- und Milchziegen, bzw. Mehrnutzungsziegen, die Fleisch und Milch liefern.

Einige gängige Rassen und ihre Nutzungszuordnung:


Gängige Milch- und Fleischrassen (Zweinutzungsrassen):
Anglo Nubier (AN)
Bunte deutsche Edelziege (BDE)
Holländische Schecke
Tauernschecke
Thüringer Waldziegen (TWZ)
Toggenburger
Walliser Schwarzhalsziege
Weiße deutsche Edelziege (WDE)

Fleischrassen
Burenziegen

Zwergrassen
Westafrikanische Zwergziege (dienen in Afrika zur Fleischproduktion)
Angoraziege (wird zur Mohairproduktion gehalten)
Kaschmirziege (wird zur Kaschmirproduktion gehalten)

Fütterung - immer wieder falsch

Das Lieblingsfutter der am Zaun stehenden Leute ist Brot, bzw. Brötchen. Es wird gefüttert, weil die Ziegen es mögen und danach betteln. Unberücksichtigt bleibt die Physiologie der Ziege, die aufgrund Ihrer spezifischen Verdauungsweise Schaden nimmt.
"Aber sie fressen es doch so gerne!" höre ich immer wieder. Meine Ziegen fressen auch mit Vorliebe Plastik, trotzdem kommt niemand auf die Idee Tüten zu verfüttern. Oder anders gesagt: Kinder lieben Süßigkeiten. Gesund sind sie deshalb noch lange nicht.

Ich will es vereinfacht und kurz ausdrücken: Die Ziege ist ein Wiederkäuer. Ein Brötchen kann jedoch nicht wiedergekäut werden, gärt somit im Pansen vor sich hin und führt zur Übersäuerung. Das wiederum fühlt sich für die Ziege nur im Moment des Fressens gut an. Die Folgen sind unter Umständen massive Durchfälle, die zum Tod führen können. Denn im Pansen befindet sich eine spezifische Flora, die für die Verdauung sehr wichtig ist und durch die Gärung von Brot und Brötchen komplett zerstört werden kann. Die mangelnde Verdauung hat vielerlei Folgen. Wiederkäuer, die Brotfütterung nicht gewohnt sind, reagieren mit Durchfall. Dazu noch kommt, dass die mangelnde Verdauung zu einem Sättigungsgefühl führt - die Tiere "hungern sich satt".

Wer es intensiver wissen möchte, dem sei ein wunderbarer Link ans Herz gelegt: http://www.zwergziegen.ch/verdauungsvorgangtext.html.

Richtige Fütterung:

Man hört immer wieder, die Ziege sei genügsam. Das mag für Drittweltländer stimmen, weil Ziegen sehr vielfältig sind, was das Nahrungsangebot betrifft. Aber hierzulande, wo Ziegen nicht frei rum laufen und meist auf Standweiden gehalten werden, trifft es nicht zu - im Gegenteil, Ziegen sind sehr anspruchsvoll, denn Gras ist nur letzte Wahl.
Ziegen sind Äser, keine Weider. Wenn Sie also Ziegen etwas Gutes tun wollen, füttern Sie mit Obst - und Nadelbäumen zu. Auch so mancher Strauch, der im Garten gestutzt wird, ist für die Ziege ein gesunder Leckerschmaus. Ich habe eine Liste angefertigt, die Sie unter "Futter für Ziegen" abrufen können. Bitte füttern Sie als Außenstehender nicht ungefragt fremde Tiere, und werfen Sie nichts über den Zaun. denn das macht aus der Herde ein ewig meckerndes Bettelvölkchen (bitte an die Nachbarn denken!) und kann die Ziegen auch zum Ausbruch verleiten!
Kraftfutter ist bei genügend Bewuchs unnötig, wenn man nicht auf große Milchmengen angewiesen ist. Die Milch hat ohne Kraftfutter eine viel bessere Qualität. Kraftfutter sollte nur gegeben werden, wenn eine Ziege mehr als 2 Lämmer zu versorgen hat oder nicht genug Futter vorhanden ist.
Achtung: Ziegen, die Kraftfutter erhalten sind empfänglicher für Endoparasiten.

Für Zwergziegen oder Großziegen, die keine Leistung (Lammung, Laktation) erbringen ist Kraftfutter jeglicher Art nicht nur überflüssig, sondern schädlich! anmerkung

Wer nun meint, im Zoo werden Ziegen doch auch mit Pellets und Brötchen gefüttert, dem sei erklärt, was er eigentlich nicht hören will: Die Lebenserwartung einer Ziege ohne Belastung durch Zucht und Laktation beträgt ca. 18 Jahre, die einer Zooziege jedoch nur kurze Zeit. Und der Zoo hält die Ziege vorrangig nicht, weil sie so ein perfektes Streicheltier ist, sondern als billiges Futtertier mit gutem Vermehrungsdrang für die fleischfressenden Zootiere. Und da macht es eben keinen Unterschied, ob sie artgerechtes Futter erhält oder Müll.

Trinkverhalten

Ziegen trinken sehr unregelmäßig und sind daher unberechenbar. Sie sollten immer frisches Wasser zur Verfügung haben, aber es kann durchaus vorkommen, dass man sie 2 Wochen lang überhaupt nicht trinken sieht und dann plötzlich ist ein ganzer Bottich leer. Das ist vor allem im Winter bei Frosttemperaturen schlecht kalkulierbar. Die meisten Ziegen sind jedoch dankbar für warmes Wasser, was dann gerne sofort genommen wird.
Während der Laktation dagegen ist der Wasserbedarf sehr hoch und kontinuierlich. Auch bei Heuzufütterung wird viel getrunken.

Haltung im Winter

Eine häufig gestellte Frage, wenn die Temperaturen kälter werden, ist die nach der extensiven Haltung, also der ganzjährigen Außenhaltung. Oft meinen Leute, den Tieren wäre es im Winter zu kalt.
Ziegen, die extensiv gehalten werden entwickeln im Herbst einen Winterpelz, der im Frühsommer abfällt. Es entsteht unter dem Deckhaar ein weicher dichter Flaum, der die Ziegen wetterfest macht. Grundsätzlich ist auch zu sagen, dass sich Ziegen im Winter wohler fühlen als in heißen Sommern.
Warum Bauern Herden in der Regel im Winter aufstallen hat einen anderen Grund: die Klauen der Tiere zerstören bei feuchtem Wetter die Grasnarbe.
Ganzjährig draußen gehaltene Tiere sind in der Regel jedoch widerstandsfähiger als im Winter aufgestallte. Daher gehen auch Besitzer großer Herden dazu über, einen Stall nicht rundherum geschlossen zu bauen, sondern mit Windschutznetzen, die frische Luft hineinlassen und das Stallklima verbessern.
Selbstverständlich müssen auch extensiv gehaltene Herden einen nach 3 Seiten geschlossenen Unterstand zur Verfügung haben, den sie im Sommer aber lediglich nachts und bei starkem Regen/Schneefall nutzen.



Hörner oder keine

Ob eine Ziege Hörner hat oder nicht, ist genetisch begründet und nicht wie die meisten denken vom Geschlecht abhängig. Also kann es durchaus sein, dass der "Bock da hinten", wie ich es oft früher hörte ein weibliches Tier ist. Ich hatte mich bewusst für die hornlose Variante entschieden. Eine gehörnte Ziege gibt zwar zweifelsfrei mehr her, aber die Verletzungsgefahr untereinander, bei mir und bei den Eutern der Mädels war mir einfach zu hoch.


Glöckchen

Nein, keine Metallglocke ist hier gemeint sondern die manchmal bei Ziegen zu sehenden "Troddeln" unter dem Kinn. Bei den Thüringer Waldziegen sind sie gestreift und sehen daher besonders apart aus. Die Bedeutung bzw. Ursache dieser niedlichen Fortsätze sind ungeklärt. Manche halten sie für Fettspeicher, andere für zurückgebildete Drüsen aus der Urzeit. Heute haben sie jedenfalls keinerlei Funktion und es haben auch nicht alle Ziegen Glöckchen. Auch die Vererbung folgt nach keinem klaren Muster.


Weitere interessante Internetseiten


Cristina Perincioli hat auf 2 Ziegen-Seiten lesenswerte Erfahrungen zusammengetragen.
Auf http://www.weiss-die-geiss.de sind verschiedene Haltungsformen beschrieben. Die Seite gibt zudem Auskunft über sämtliche Ziegenthemen. Lesenswert!

Hier http://www.gesunde-geiss.de kann man Informationen über verschiedene Ziegenerkrankungen und Gesundheitsprophylaxe nachlesen.

Toggenburger


Die Toggenburger Ziege kommt aus der Schweiz und ist eng verwandt mit der Thüringer Waldziege, die von ihr abstammt. Toggenburger wurden früher nur langhaarig gezüchtet, was man heute leider selten sieht. Die Farbe variiert von grau zu braun mit hellen Abzeichen, die ihr wie auch der Thüringer Waldziege ein markantes Aussehen verleiht. Im Gegensatz zu anderen Milchziegen ist sie eher klein und kräftig gebaut.

Thüringer Waldziege (TWZ)


Von dieser aus Thüringen stammenden Milchziege gab es vor wenigen Jahren nur noch einen Bestand von ca. 200 eingetragenen Tieren. Es gibt sie in braun und in schwarz mit weißen Abzeichen, wobei die Anzahl der braunen Tiere überwiegt.
Thüringer Waldziege, gehörnt

Bei beiden Rassen gibt es gehörnte, sowie genetisch hornlose Tiere - unabhängig vom Geschlecht.

Meinen anfänglichen Enthusiasmus zur Erhaltung der Arten beitragen zu wollen habe ich leider nach 6 Jahren Zucht begraben müssen wegen mangelnder Nachfrage an lebenden Tieren.

Wenn die Lämmer abgesetzt sind werden die Mütter gemolken und die Milch zu Käse verarbeitet.
Lotta

Auf dem Bild sehen Sie die Thüringer Waldziege Lotta mit vollem Euter kurz vor dem Melken.

Lotta war eine meiner ersten Ziegen und lebt nicht mehr.

© 2009-2010 Birgit Lumma Letzte Änderung: Die Milchschafe 30.01.2019
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